Hier hat der Kölner Karneval seinen Ursprung

von Dominika Gehenzig

Angeregt durch die römischen Antike der Rheinregion und den keltisch-germanischen Götterverehrungsfesten feierten auch die Kölner schon seit dem Mittelalter „Fastnachtsfeste“, doch schriftlich erwähnt wird die Fastnacht in Köln erst durch eine Eintragung im Eidbuch des Stadtrates von 1341.

Der Kölner Karneval, wie wir ihn heute kennen, veränderte sich mit der napoleonischen Besatzung, denn die Franzosen hatten das „beliebte vaterstädtische Heimatfest“ verboten. Der Kölner Stadtverwaltung war es zwar gelungen, das Dekret wieder aufzuheben, aber eine rechte Stimmung wollte sich nicht mehr einstellen. Erst als die Preußen vom Rheinland 1815 Besitz ergriffen, lebte der Karneval nach einer grundlegenden Reform wieder auf: Im Herbst 1822 begann ein kleiner Kreis von angesehenen Kölner Bürgern, sich regelmäßig zu treffen, um den „in ganz Teutschland einstens so berühmten kölnischen Carneval zu erneuern“.

Die Reformideen wurden in einem Manifest festgehalten. Zur ersten Generalversammlung des „Festordnenden Komitees“ wurde Anfang 1823 eingeladen, und im selben Jahr gab es zum ersten Mal einen Rosenmontagszug. Seitdem hat sich der Karneval zunehmend organisiert und institutionalisiert und das „Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.“, von heute bezieht sich auf dieses Gründungsdatum.

Die 1825 erstmals erscheinende Karnevalszeitung hatte häufig unter der preußischen Pressezensur zu leiden und fiel ihr schließlich zum Opfer. Dieses Los traf 1830 auch das „Festordnende Komitee“ selbst, auch wenn es der Aktion durch Selbstauflösung die beabsichtigte Wirkung nahm. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. war einsichtig genug, das Komitee durch „Allerhöchste Order“ in seine alten Rechte einzusetzen.

Unter den Gästen der „Generalversammlungen“ fanden sich häufig preußische Prinzen und andere preußische Honoratioren. Es gab Musik, Getränke, ernste und humorvolle Reden auf dem „Narrenstuhl“ (dem Vorläufer der Bütt), einen von Räten umgebenen Präsidenten, Ordensverleihungen und ab 1827 den Brauch, gleiche Kappen zu tragen: „Gleiche Brüder, gleiche Kappen!“

Daneben entwickelten sich große Bälle, die vor allem seit 1824 in Form des „Montagsfestball“ im Gürzenich bis zu dessen Umbau 1855 – 57 stattfanden. Die Sitzungen wurden damals bereits „Session“ genannt. Die Form der Kappen ähnelte in der Anfangszeit den Jakobinermützen der Revolutionszeit, woran sich das zu jener Zeit gemeinsame preußisch - kölnische Interesse, die besiegten Franzosen zu verspotten, ablesen lässt. Gleichzeitig war es Ausdruck der Missbilligung und Persiflage militärischen Gehabes und Pompes, eine Auflehnung gegenüber den Preußen, die seit 1815 unbeliebt im Rheinland waren.

Gardeuniform und Holzgewehr, Tanzmariechen samt Tanzoffizier und die närrisch-gelockerte Disziplin der Garden, aber auch Orden und Ehrenzeichen, sind Anleihen an die martialische Zeit. Die Zensur des Karnevals löste die befürchtete Politisierung erst aus und machte die Karnevalskomitees zur Plattform für eine sich zunehmend radikalisierende, verdeckte Opposition gegen den preußischen Obrigkeitsstaat. Dementsprechend gehörten 1848 die führenden Karnevalisten zu den Revolutionären aus dem Rheinland.

Unabhängig, wer was wann beschied: Der Kölner Karneval ist weit über die Stadtgrenzen hinaus ein beliebter Anlaufpunkt und auch in dieser Session heißt es wieder:

Kölle Alaaf!!!